Interview: Frauenministerin Spiegel zur Anti-Sexismus-Kampagne

Frauenministerin Anne Spiegel ist seit dem 1. Januar für ein Jahr Vorsitzende der Konferenz der Gleichstellungs- und Frauenministerinnen und -minister, -senatorinnen und -senatoren der Länder (GFMK). In einem Interview zur Anti-Sexismus-Kampagne ruft sie dazu auf, gemeinsam „LAUT♀STARK" für eine Veränderung in der Gesellschaft zu kämpfen.

Interview mit Anne Spiegel zur Anti-Sexismuskampagne „Laut♀Stark“

Frau Ministerin Spiegel, Sie haben zu Beginn dieses Jahres eine Anti-Sexismuskampagne ins Leben gerufen. Was verbirgt sich hinter dieser Kampagne?

Die Anti-Sexismuskampagne „Laut♀Stark“ knüpft an die #metoo-Debatte an. #metoo hat das Ausmaß an offenem und verstecktem Sexismus gegen Frauen öffentlich und sichtbar gemacht. Die Debatte zeigt, dass Sexismus System hat und strukturell bedingt ist; etwa durch die ungleiche Machtverteilung zwischen den Geschlechtern oder gewachsenen Abhängigkeiten, die sowohl zu sexuellen Übergriffen als auch zu struktureller Diskriminierung führen. Beides ist Sexismus und in seinen unterschiedlichen Formen nicht zu akzeptieren. 

Diese mittlerweile weltweit geführte Debatte greife ich auf, um das Bewusstsein dafür auch in Rheinland-Pfalz zu schärfen. Die Erkenntnisse aus der #metoo-Debatte kann und darf ich als Frauenministerin nicht ignorieren. Die Kampagne „Laut♀Stark“ bietet mir eine Plattform, um mich aktiv gegen Sexismus zu positionieren und Maßnahmen zu ergreifen. Ich nutze sie, um für das Thema zu sensibilisieren und es weiter voran zu bringen.

Warum trägt Ihre Kampagne den Titel „Laut♀Stark“?

Weil Frauen und Mädchen nicht nur als Opfer zu sehen sind! Sie müssen sich wehren und sie müssen mutig sein. Und dafür müssen sie laut und stark sein!

Laut und stark wollen wir außerdem gemeinsam sein und laut und stark für eine Veränderung in der Gesellschaft kämpfen. Seit #metoo können alle Interessierten lesen, was Frauen und Männern passiert ist, warum die Täter meistens ungestraft davonkommen und welche Auswirkungen das auf das Leben und die Psyche der Angegriffenen hat. Viele Betroffene haben den Mut gefasst, offen zu sprechen – laut und stark. #metoo hat also ermutigt. Und das möchte ich auch.

Was sind die Inhalte der Kampagne?

Als Frauenministerin habe ich mir zum Ziel gesetzt, dem Phänomen Sexismus in all seinen Facetten zu begegnen. Ich möchte ein lautstarkes Zeichen gegen Sexismus setzen! Daher will ich sowohl über den gesellschaftlichen Umgang mit Sexismus als auch über die Struktur sprechen, in denen Frauen ausgenutzt, diskriminiert und missbraucht werden.

Genau dieses ungleiche Machtgefälle zwischen Männern und Frauen – zum Nachteil der Frauen – ist der Schwerpunkt der Anti-Sexismuskampagne. 
Ziel ist eine Veränderung der Strukturen, die Sexismus derzeit noch ermöglichen. Dabei geht es mir nicht um die Skandalisierung der Debatte. Vielmehr möchte ich die Kultur des Schweigens brechen und Verantwortung zuordnen.

Was bedeutet das genauer?

Mir ist es wichtig, den Mut der Frauen zu unterstützen, die mit ihren Erfahrungen an die Öffentlichkeit gegangen sind und es hoffentlich auch weiter tun werden. Alle Frauen und Mädchen, die Sexismus erlebt haben, sollen eine gute Unterstützung und Hilfe bekommen. Frauen und Männer sollten sich solidarisieren und das öffentlich machen. Außerdem ist es mir wichtig, dass Menschen, die für Sexismus verantwortlich sind, keine Rückendeckung mehr erhalten. Ich will einen Wandel mitgestalten, damit Sexismus die Grundlagen entzogen werden.

Und wie wollen Sie das umsetzen?

Seit dem 1. Januar bin ich für ein Jahr Vorsitzende der Konferenz der Gleichstellungs- und Frauenministerinnen und -minister, -senatorinnen und -senatoren der Länder (GFMK). Diese öffentliche Plattform will und werde ich nutzen. Die GFMK ist die Fachministerkonferenz, die Grundlagen für eine gemeinsame Gleichstellungs- und Frauenpolitik der Bundesländer festlegt und Maßnahmen zur Chancengleichheit von Frauen und Männern in allen Lebensbereichen beschließt. Der GFMK-Vorsitz ist ein wirkungsvoller Hebel, um Debatten anzustoßen und diese anschließend in politische Prozesse münden zu lassen.

Als GFMK-Vorsitzende werde ich das Thema „Sexismus“ prominent besetzen. Ich möchte, dass frauenpolitische Themen bundesweit Gehör finden. 

Darüber hinaus konnte ich Botschafterinnen und Botschafter gewinnen, die meine Kampagne unterstützen. Es sind prominente Persönlichkeiten, aber auch solche, die Großes leisten und dennoch nicht im Fokus der Öffentlichkeit stehen.
Ihre Aufgabe ist es, das Thema Sexismus in der Öffentlichkeit, bei Auftritten, Reden und Statements aufzugreifen und sich zu positionieren. Als Person des öffentlichen Lebens oder als Menschen, die in ihrem Beruf Vorbild für andere geworden sind, haben diese Botschafterinnen und Botschafter großen Einfluss auf die Bewusstseinsbildung anderer Menschen. 

Ich bin mir sicher, dass es meinen Unterstützerinnen und Unterstützern gelingt, Menschen zu sensibilisieren, genau hinzusehen und hinzuhören, sowie Frauen und Mädchen zu ermutigen, offensiv mit dem Thema umzugehen.

Wer die Botschafterinnen und Botschafter sind und wer sich bereit erklärt hat mich zu unterstützen, finden Sie hier auf der Homepage zu „Laut♀Stark“.

Wie geht es weiter mit der Kampagne und was ist darüber hinaus geplant?

Die Kampagne ist als Prozess angelegt und soll sich stetig weiterentwickeln. 
Die Akquise der Botschafterinnen und Botschafter läuft kontinuierlich weiter. Es kommen immer wieder Personen dazu, die diese wichtige Aufgabe gern übernehmen möchten. Das freut mich sehr. Am Weltfrauentag habe ich mich mit einigen Botschafterinnen und Botschaftern getroffen und ausgetauscht. Es gibt mittlerweile viele Ideen und Anregungen, was wir alles noch machen können. Mit den Botschafterinnen und Botschaftern will ich eng zusammenarbeiten und weitere Aktivitäten durchführen.

Frau Ministerin Spiegel, herzlichen Dank für das Interview und alles Gute für Ihre Anti-Sexismuskampagne: „Laut♀Stark“.


Das Interview führte die Redaktion „Laut♀Stark“